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Ringen um Deutschland: Neue Studie beleuchtet gesellschaftliches Klima

Die neuste Publikation des Think Tanks „More in Common“ zeigt, wie es ums Miteinander, das Vertrauen in demokratische Institutionen und die Zukunftszuversicht in Deutschland bestellt ist. Inklusive Quiz, um den eigenen Gesellschaftstyp festzustellen.

Sicher, demokratisch, gerecht: Die Mehrheit der Deutschen nennt diese Attribute, wenn sie ihr Idealbild der Bundesrepublik beschreibt. Der Wunsch nach einem funktionierenden und fairen Gemeinwesen ist also zentral.

Doch das ist nur eine der Kernaussagen der neuen Publikation „Ringen um Deutschland: Zustand und Ambitionen unserer Gesellschaft“ der deutschen Dependance der international aktiven NGO „More in Common“. Zu den Ergebnissen gehört auch die Erkenntnis, dass 80 Prozent der Menschen finden, Deutschland entwickle sich in die falsche Richtung. Zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie sind nur 45%. Ihr dominantestes Gefühl dabei: Enttäuschung.

Wunsch nach Demokratie und Gerechtigkeit

Gibt die Bevölkerung ihr Land deshalb auf? Auch hier ist die Antwort komplexer: Trotz der großen Enttäuschung wurden auch Attribute wie Verbundenheit und Zuversicht sehr häufig benannt. 71% finden es wichtig, auch bei unterschiedlichen Ansichten zusammenzuhalten. Und fast allen (91%) ist es persönlich wichtig, in einer Demokratie zu leben!

Auch nach Wünschen wurde gefragt: Mehr Lohngerechtigkeit, mehr Solidarität, mehr Gemeinsinn. 62% sehen als Grundsatz für Gerechtigkeit den Umstand, dass jeder von seiner Arbeit leben kann.

Gesellschaftliche Rollen brauchen komplexere Aufschlüsselung

Dass die oft besprochene, gesellschaftliche Spaltung nicht ganz so existiert, wie sie medial und diskursiv oft beschworen wird, haben bereits diverse Studien der letzten Zeit beschrieben. More in Common zeichnet ein Bild, dass statt der typischen zwei gegenüberstehenden Lager, vielmehr sieben gesellschaftliche Typen benennt, die sich wiederum in vier Rollen aufteilen. Zur Ermittlung wurden Grundüberzeugungen (nicht tagespolitische Themen) sowie subjektive Verortung in der Gesellschaft und Sichtweisen auf das Land abgefragt.

Die Rolle der Systemstützer (33%) übernehmen die wertprogressiven „Angekommenen“ und die wertkonservativen „Bewahrenden“. Sie stabilisieren das System, getragen von persönlicher Zufriedenheit und hohem Vertrauen zu Gemeinwesen und Mitmenschen. Durch ihre stabile Verankerung laufen sie Gefahr, Problembefunde anderer zu verkennen.

31% der Befragten gehören zu den Typen der „Zurückfordernden“ und der „Geladenen“. Sie übernehmen die Rolle der Ankläger und kritisieren aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und politische Ordnungen. Die Studie resümiert, dass ihre laute Systemkritik illiberale Kräfte erstarken lässt, während die Personen selbst sich primär im Verteidigungsmodus wahrnehmen.

Die Rolle der gesellschaftlichen Hinterfrager übernimmt der Typus „Die Aufgewühlten“ (11%). Sie kritisieren den Staus Quo und fordern Wandel, können durch ihre stark progressive Agenda aber bewahrungsorientierte Typen in die Ecke drängen und dadurch Polarisierung verschärfen.

Ein Viertel der Gesellschaft (25%) wird derweil kaum gesehen. Die „Unsichtbaren“, bestehend aus den Typen „Abgewandte“ und „Ungebundene“, sind politisch passiv und im Diskurs kaum hörbar, was zum Übersehen oder Falschdeuten ihrer Perspektiven und Bedarfe führen kann – obwohl sie oft Leistungsträger*innen im Alltag sind.

| Übrigens: Über ein Quiz kann jede*r austesten, welchem Gesellschaftstyp man am ehesten entspricht. Zum Quiz.

Aus Sorge folgt Gestaltungswille

More in Common extrahiert aus den Ergebnissen eine wichtige Erkenntnis: Die Deutschen wollen etwas für ihr Land und „das kollektive Bangen sollte als Gestaltungsauftrag begriffen werden.“

Zusammenhalt sei „eine Frage der Ambition und der Substanz, nicht nur des Tons“. Besonders abholen könne man die meisten Deutsche durch ausreichende Absicherung, faire Verteilung und gleiche Chancen und Rechte für alle.

Um wieder mehr Zuversicht zu schüren, brauche es Zukunftsbilder, die die gemeinsam geteilten Werte ansprechen: Verbindlichkeit, Gegenseitigkeit, faire Beiträge und Wertschätzung.

Hintergründe und Methoden

Für die Studie befragt wurden 6000 Menschen in Deutschland zwischen Oktober 2025 und August 2026. Forschungspartner waren infratest dimap und Ipsos. Gearbeitet wurde mit quantitativen Befragungen und Fokusgruppen. Ausgewählt wurde eine sozidemografisch gewichtete Stichprobe deutschsprachiger Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.

Eine Zusammenfassung, weitere Details und die Studie zum Download hier.

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