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Pro Wandel, kontra Umsetzung? Kernergebnisse des sozialen Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation

Die Ergebnisse einer repräsentativen Panelbefragung zeigen, wie Menschen in Deutschland zum nachhaltigen Wandel stehen: Trotz großer Unterstützung wachsen die Sorgen. Welche politischen Maßnahmen sich daraus ableiten lassen, hier.

Damit unsere Gesellschaft und Wirtschaft zukunftsfähig werden, braucht es umfassende Veränderungen. Eine sogenannte Transformation, die nicht ohne Umbrüche und mutige Entscheidungen gelingen kann. Gleichzeitig brauchen die notwendigen Schritte sozialen Rückhalt, sie müssen verstanden und getragen werden.

Hier setzt das soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation an, welches von der Bertelsmann Stiftung und dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS) publiziert wird. Hierfür werden im Rahmen einer wiederholten, bundesweit repräsentativen Panelbefragung mit etwa 6.500 Personen die Einstellungen zum nachhaltigen Wandel abgefragt.

Viel Verständnis, viel Veränderungsscheu

Eine wichtige Erkenntnis, insbesondere in Zeiten populistischer Verzerrungen: Die Existenz der Klimakrise und ihrer negativen Auswirkungen erkennt ein Großteil (80%) der Befragten an – und befürwortet konsequente Klimapolitik.

Wenn es an die Umsetzung und konkrete Maßnahmen geht, wird die Zustimmung verhaltener. Knapp über die Hälfte der Befragten (54%) ist mit höheren Ausgaben für den Klimaschutz einverstanden. Die Notwendigkeit klimaneutraler Infrastruktur wird von 79% anerkannt, sogar Preissignale erhielten breite Zustimmung (61%).

Gleichzeitig stiegen laut Autor*innen die Sorgen um individuelle finanzielle Auswirkungen (53 %) und insgesamten wirtschaftlichen Wohlstandsverlust (39 %) im Vergleich zu vorherigen Befragungen. Gefragt nach der Anschaffung klimaneutraler Heizsysteme oder energetischer Gebäudesanierungen wurden vor allem finanzielle Gründe als Hindernis genannt - 79 % halten den Umstieg privater Haushalte auf klimafreundliche Technologien ohne staatliche Unterstützung für nicht machbar. Auch bei der Anschaffung von E-Autos ist der Anschaffungspreis ausschlaggebend, nicht die Umweltwirkung: für 49% kommt die Anschaffung (eher) nicht in Frage (wobei hier auch fehlende Ladeinfrastruktur o.ä. eine Rolle spielen könnten).

Merkbar ist ein Split zwischen Klimasorgen und der Erkenntnis, dass persönliche Veränderungsbereitschaft diesen folgen müsste.

Erhöhen ließe sich die Handlungsbereitschaft also unter anderem, wenn ökologisch sinnvollere Alternativen auch preiswerter wären.

Fehlende Informierung führt zu fehlender Akzeptanz

Die Befragung zeigt zudem: Nachhaltigkeitstranformation ist nicht nur ein langes, sondern für viele auch unverständliches Wort. 56% der Antwortgebenden schätzt die Umsetzung als unverständlich ein. „Bürgerfern“ finden sogar 63% das, was Politik für einen sozial-ökologischen Wandel unternimmt.

Insgesamt ist das Vertrauen fehlend oder mangelhalft: 55% gaben dies bei der Frage an, ob die Bundesregierung bei der Gestaltung des nachhaltigen Wandels im Interesse der Allgemeinheit handle. Drei Viertel schätzen zudem die Transparenz von Klimapolitik, Beteiligungsmöglichkeiten und Berücksichtigung von Bevölkerungsinteressen als schlecht ein. Ein prägnantes Beispiel: 85% fühlen sich über das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (eher) schlecht informiert. Ein Fazit der Autor*innen dazu: Wo Informationsstand und dadurch Vertrauen gering sind, werden politische Vorhaben instinktiv kritisch bewertet.

Wege zu mehr Umsetzungsfreude

Die Autor*innen leiten aus den Ergebnissen der Befragung Anhaltspunkte für potenzielle Hebel ab, um Skepsis zu verringern und Wandel tragfähiger zu machen. Eine starke Möglichkeit sehen sie in der Beteiligung der Bevölkerung an der Energiewende: „Der Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort ist bereits mehrheitlich akzeptiert – Windanlagen im Wohnumfeld werden von 58 % befürwortet, PV-Anlagen auf Freiflächen von 69 %.“

Spannend: Ein Drittel der Windanlagen-Gegner*innen gab an, sich durch finanzielle Beteiligung umstimmen zu lassen.

Auch die Frage danach, wie der Staat Mehrausgaben für Klimaschutz finanzieren solle, gibt Aufschluss darüber, wie diese für einen Großteil der Bevölkerung tragbarer würden: Streichung klimaschädlicher Subventionen, höhere Steuern für Spitzenverdiener*innen und Vermögenssteuer finden hohen Anklang.

Hervorgehoben wird im Barometer zudem der Ansatz, Transformation stärker über vor allem wirtschaftliche Chancen zu vermitteln. Als entscheidend benennen die Autor*innen daher, Transformationspolitik mit Beteiligung und wirtschaftlich merkbarer Tragfähigkeit zu koppeln und so die Verteilung von Kosten und Nutzen des Wandels gerecht zu verteilen und zu gestalten.

Das gesamte soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation steht hier zum Download.

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