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Prozesskette Nachhaltigkeit NRW: Feierlicher Abschluss im Projekt zum kommunalen Nachhaltigkeitsmanagement

Alle Fotos: Martin Magunia

 

Nach drei Jahren intensiver Arbeit wurde das Projekt „Prozesskette Nachhaltigkeit NRW“ am 20. Mai 2026 feierlich abgeschlossen. Einblicke in die Veranstaltung und die „lessons learned“ hier.

Zwei Laufzeiten und 35 kommunale Nachhaltigkeitsprozesse standen auf dem Fahrplan des Projekts „Prozesskette Nachhaltigkeit NRW“ (PKN NRW), dessen Startschuss im Sommer 2023 fiel – dank Förderung durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW (MUNV NRW). Es wurden Nachhaltigkeitsstrategien in partizipativen Prozessen entwickelt, Nachhaltigkeitsberichte mit scharfem Blick fürs Detail geschrieben und in Workshops quer durch die Ämterlandschaft Nachhaltigkeitshaushalte erarbeitet. Und zwischen den Zeilen entstanden viele Vernetzungen zwischen Kommunen und Stakeholder*innen, die das Streben nach zukunftsfähigen Lösungen für die Herausforderungen vor Ort eint.

Gründe genug, um beim feierlichen Zusammenkommen drei arbeitsreiche Jahre Revue passieren zu lassen, Erfahrungen auszutauschen und Gelerntes zu diskutieren. Gleichzeitig wurde der Tag im Dortmunder Kongresszentrum genutzt, um gute Beispiele sichtbar zu machen, wie es vom entwickelten Instrument in die praktische Initiative gehen kann sowie um gemeinsam auszutarieren, wie das aufgesetzte Nachhaltigkeitsmanagement vor Ort verstetigt und weiterentwickelt werden kann.

Der Wert des Nachhaltigkeitsmanagements: Zukunft ins Jetzt bringen

Zur Begrüßung resümierte Dr. Klaus Reuter, geschäftsführender Vorstand der LAG 21 NRW, die Projektzeit und stellte fest: trotz multipler Krisen haben die Projektkommunen resiliente Strukturen aufgebaut, die den Weg in eine nachhaltige Zukunft ebnen. Er hob zudem hervor, dass trotz aktuell spürbarem Gegenwind für Nachhaltigkeit, es auf der lokalen Ebene ein ermutigendes Mikroklima gebe, dass Transformation über Verwaltung und Zivilgesellschaft konkret voranbringe.

Anschließend richtete Staatsekretär Viktor Haase vom MUNV NRW das Wort an die Projektabsolvent*innen. Er lenkte den Blick auf die globale Ebene, auf der aktuell immer öfter universelle Rechte in Frage gestellt würden. Das Handeln der Projektkommunen bezeichnete er als Gegenentwurf: „Sie haben die Zukunftsfähigkeit in die tägliche Arbeit gebracht und damit real gemacht!“ Zudem unterstrich Staatssekretär Haase, dass die entwickelten Instrumente mit all ihren Aushandlungsprozessen langfristig demokratische Strukturen stärken können. Es gelte nun, nicht am Meilenstein zu verharren – sondern kontinuierlich weiter Richtung Transformation zu wirken.

Bevor Staatssekretär Haase den Vertreter*innen der Projektkommunen Urkunden überreichte, trat er in einen Dialog mit Dr. Klaus Reuter. Im Austausch hielten beide fest, dass kommunales Nachhaltigkeitsmanagement ein wertebasierter Transformationsprozess ist, der durch die Einbettung in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft lebt, aber auch dauerhaft weiterentwickelt werden muss. Die Übersetzung globaler Ziele in eine breit getragene, lokale Praxis verstärkt dabei die Wirkung.

Die Wirkung der Prozesskette: Ein Zwischenresümee

Staatssekretär Viktor Haase (rechts) & Dr. Klaus Reuter

Welche zentralen Ergebnisse und Wirkungen über beide Laufzeiten von PKN NRW erzielt werden konnten, besprachen Mona Rybicki und Moritz Schmidt, Bereichsleitungen bei der LAG 21 NRW. Eingangs teilten sie beeindruckende Zahlen aus dem Projektgeschehen: Auf 96 Sitzungen in Strategiekommunen erarbeiteten mehr als 700 Personen ganze 866 operative Ziele (mit knapp 2000 Bezügen zu den SDGs). Dazu kommen satte 1200 Seiten Berichtstexte und 70 Workshops für Haushaltsprozesse, in denen 500 strategische und 1500 operative Ziele entwickelt wurden.

Im Gespräch diskutierten sie, dass durch die Arbeit an Instrumenten des Nachhaltigkeitsmanagements den Kommunen stärker bewusst werde, wie viele Aktivitäten bereits zur Nachhaltigen Entwicklung beitragen, wie sich das Thema systematisch im Tagesgeschäft verankern lasse und wie es messbar, transparent und strategisch steuerbar werde. Zudem entstünden in den Arbeitsprozessen neue Allianzen zwischen Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, aus denen auch eigenständige Folgeinitiativen wachsen können. Die Meisterklasse sei dabei die Integration von Zielen in den Haushalt, denn so werde aus einem oft „freiwilligen Zusatz“ ein relevantes Steuerungsthema, durch das Transformation Priorität erhalte.

Ihr Fazit: PKN NRW habe neben den messbaren Ergebnissen vor allem eine strukturelle und kulturelle Transformation angestoßen: Nachhaltigkeit werde zunehmend integriert gedacht, gemeinsam entwickelt und konkret gesteuert – mit wachsender Wirkung auf Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse vor Ort.

Blick in die Forschung: So steht es wirklich um Zusammenhalt und Akzeptanz für Nachhaltigkeit

Einen Ausflug in die Sozialforschung brachte die anschließende Keynote von Jérémie Gagné von More In Common Deutschland. Herr Gagné fokussierte in seinem Beitrag die Frage, was Menschen in Deutschland in Zeiten gefühlt steigender Spaltung noch verbindet. Zentral in Gagnés Vortrag war die Erkenntnis, dass es laute Pole in gesellschaftlichen Debatten gibt, die besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und leise, oft nuanciertere Stimmen übertönen. So entstehe ein verzerrt drastisches Bild, während bei genauerem Hinhören, offenbart werde: „Die Menschen glauben, dass Deutschland (noch) vieles kann, aber nicht in Topform ist!“ Die Deutschen wollen laut Gagné mehr kollektive Handlungsfähigkeit, Vertrauen untereinander, Veränderungswillen, Mitsprache, und Engagement. Hinter oft veräußerten Frustrationen stecke immer noch ein Gestaltungswille.

Wichtiges Take-Away daher: „Dem Großteil der Menschen ist etwas daran gelegen, eine positive Zukunft für Deutschland zu gestalten. Viele davon hören wir aber gar nicht, weil ihre Stimmen nicht laut sind. Deshalb gelte: Wir sollten „die anderen“ nicht aufgeben, sondern das gemeinsame Handeln aktivieren.“

Good-Practices und offener Austausch zu Weiterentwicklung und Verstetigung

Jérémie Gagné

Vor der Mittagspause wurde der Blick auf Erfolgsbeispiele gelenkt. Vier Kommunen präsentierten, wie ihr Nachhaltigkeitsmanagement durch konkrete Projekte Wirkung entfalten konnte. So zeigte die Stadt Paderborn, wie sie Unternehmen und Eigenbetriebe ins Nachhaltigkeitsmanagement einbindet und die Stadt Bielefeld präsentierte ihre wirkungsvollen Prozesse zu Monitoring und Fortschreibung. Zudem gab es Einblicke in die entwicklungspolitische Roadmap des Kreises Recklinghausen sowie die extra gegründete Stiftung Nachhaltigkeit in Eschweiler.

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden eigene Themenschwerpunkte legen und an verschiedenen Stationen Ideen entwickeln und diskutieren, wie das „Dranbleiben“ gelingen kann. Inhaltlich ging es um interne und externe Beteiligung, Ressourcen und Organisation sowie Fragen rund um Monitoring, Daten und Evaluation.

Die Zukunft des Nachhaltigkeitsmanagements als Prozesskette

Die Frage nach dem „wie geht es weiter“ wurde abschließend von Mona Rybicki und Moritz Schmidt gemeinsam mit Roman Wolf vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW auf dem Podium diskutiert. Herausgestellt wurde, dass besonders die Kombination aus Strategie, Bericht und Haushalt als Schlüsselfaktor für echte Wirkung zähle, da sie Ziele, Transparenz und Ressourcen miteinander verknüpft und so Steuerungsfähigkeit schafft.

Als Vision formulierte Roman Wolf einen Anspruch für das kommunale Nachhaltigkeitsmanagement: „In Zukunft sollten Instrumente wie Kettenglieder ineinandergreifen und in eine Richtung ziehen – und zwar in Richtung einer guten Zukunft für alle!“

Mona Rybicki ergänzte, dass der Erfolg der Prozesskette sichtbar würde, wenn die Instrumente spürbar in die Nutzung kommen: „Wenn man sieht: damit wird gearbeitet, sie werden weiterentwickelt, sie leben.“

In abschließenden Worten formulierte Dr. Klaus Reuter ebenfalls einen Zukunftsanspruch: Es brauche noch bessere Kommunikation, mehr Anreize bzw. Belohnungen für engagierte Kommunen sowie eine stärkere Nutzung von Netzwerken und neuen Instrumenten, um Nachhaltigkeit wirksam voranzubringen.

Wie die LAG 21 NRW zum Thema kommunales Nachhaltigkeitsmanagement weiterarbeitet, erfahren Sie im Laufe der kommenden Wochen über unsere Kanäle – behalten Sie unsere Homepage im Blick, abonnieren Sie unseren Newsletter oder folgen Sie uns auf den Sozialen Medien (LinkedIn, Instagram, Bluesky).

 

Von links: Rybicki, Wolf und Schmidt

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