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Preisgekrönte Klimaanpassung: Das sind die Siegerprojekte des Blauen Kompass 2026

BMUKN/Sarah Kienapfel

Alle zwei Jahre werden besonders innovative Klimaanpassungsprojekte im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Blauer Kompass“ verliehen. In diesem Jahr stammen sogar gleich zwei der ausgezeichneten Projekte aus NRW. Wir werfen einen Blick auf die Siegerprojekte.

Erhöhte Hitzesterblichkeit, wirtschaftliche Schäden durch hitzebedingte Produktionsausfälle, belastete Infrastruktur und Waldbrände: Insbesondere der Sommer 2026 hat die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland deutlich spürbar gemacht. Neben ambitioniertem Klimaschutz geraten damit auch strukturelle Maßnahmen zur Anpassung an die bereits spürbaren und erwartbaren Klimafolgen stärker in den Fokus. Gerade für Kommunen stellt sich dabei die Frage: Wie lässt sich Klimaanpassung konkret umsetzen?

Inspiration liefert der Bundespreis „Blauer Kompass“, den das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt 2026 bereits im zehnten Jahr gemeinsam vergeben haben. Dieser zeichnet alle zwei Jahre innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen für die Vorsorge und die Anpassung an Klimafolgen in Deutschland aus.  Bewerben konnten sich hierfür Kommunen, Unternehmen, Vereine und in diesem Jahr erstmals Schulen und Schulprojekte in eigenständiger Kategorie.

Ein breites Spektrum an Gewinnerprojekten

Starkregenfrühwarnsystem des Landkreis Fulda

Ausgezeichnet mit einem Preisgeld von jeweils 25.000 Euro, sowie zusätzlicher Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit, wurden sechs Projekte. Diese zeigen, wie unterschiedlich Klimaanpassung aussehen kann.

Der Landkreis Fulda etwa wurde für ein digitales Starkregenfrühalarmsystem ausgezeichnet. Mehr als 180 mit dem Internet verbundene Sensoren erfassen dort Pegelstände und Niederschlagsmengen in Echtzeit. Die Daten werden mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet und mit Radardaten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen. So können die 23 Städte und Gemeinden des Landkreises, sowie Bürger*innen per App, SMS oder Telefonanruf bis zu 60 Minuten vorher bei drohendem Starkregen gewarnt werden.              

Landwirtschaftsbetrieb von Landwirt Stefan Bernickel

Ein anderes ausgezeichnetes Projekt setzt bei der Landwirtschaft an: Der sogenannte „Schwamm-Acker“ im brandenburgischen Gramzow des Landwirtschaftsbetriebs von Landwirt Stefan Bernickel kombiniert regenerative Bodenbewirtschaftung mit einer klimaangepassten Fruchtfolge. Dadurch konnte die Fähigkeit des Bodens verbessert werden, Wasser aufzunehmen und zu speichern.

Ein weiteres Siegerprojekt nimmt wiederum notwendige Anpassungen und Weiterbildungen im Gesundheitswesen insbesondere für hitzegefährdete Risikogruppen in den Fokus. So wurde die Katholische Stiftungshochschule München gemeinsam mit den Dualen Hochschulen Baden-Württemberg in Stuttgart und Heidenheim für ein entwickeltes Hochschulmodul ausgezeichnet, das Hebammen gezielt auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels für Schwangere und Neugeborene vorbereitet.    

Eine Auszeichnung in der Kategorie „Schulen“ konnte sich außerdem die Sankt Mauritius-Sekundarschule in Halle (Saale) für die Etablierung eines fächerübergreifenden Lernorts für nachhaltige Lebensmittelproduktion sichern. Konkret gebaut wurde hier ein 22 Quadratmeter großes Gewächshaus mit integrierter Aquaponik-Anlage. Ein geschlossenes System, in dem sich Fischzucht und Pflanzenanbau gegenseitig unterstützen und welches dank Wasserkreislauf, Regenwassernutzung und Solarenergie weitgehend energieautark und unabhängig von synthetischen Düngern und Pestiziden arbeitet.

Zwei Beispiele aus NRW: Klimaanpassung mit Bildungs- und Beteiligungsansatz

Mitmach-Ausstellung "MutReiferei" in Leverkusen

In NRW konnten sich sogar zwei Projekte über eine Auszeichnung freuen.

Aus Leverkusen wurde der Förderverein NaturGut Ophoven e.V. für seine modulare Mitmach-Ausstellung „MutReiferei“ auf dem Gelände einer ehemaligen Bananenreiferei ausgezeichnet. Auslöser für das Projekt war die Flutkatastrophe im Juli 2021, bei der große Teile des Umweltbildungszentrums ebenso wie das Kinder- und Jugendmuseum EnergieStadt in Leverkusen zerstört wurden. Das auf rund 120 Quadratmetern in acht Schiffscontainern entstandene Bildungsprojekt beschäftigt sich mit der Klimaangst von Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, Mut als Zukunftskompetenz zu trainieren.

Auch das zweite NRW-Projekt verbindet Klimaanpassung mit Bildung und Beteiligung. Die Olof-Palme-Gesamtschule in Hiddenhausen pflanzte am Rand des Schweichelner Waldes eine Streuobstwiese und einen Klimawald mit mehr als 5.000 Bäumen und Sträuchern. Finanziert wurde dieser über einen selbst organisierten Sponsorenlauf, bei dem rund 33.000 Euro gesammelt werden konnten. Die bepflanzten Flächen speichern dabei nicht nur Kohlenstoff, sie schaffen auch Lebensräume und sollen bei Starkregen das angrenzende Wohngebiet besser vor Überflutung schützen. Gleichzeitig dienen sie als außerschulischer Lernort, der in unterschiedliche Unterrichtsfächer integriert wird.

Olof-Palme-Gesamtschule beim Pflanzen der Streuobstwiese und des Klimawalds

Teilnahmerekord und öffentliche Preisverleihung in der „Woche der Klimaanpassung“

Wie groß das Engagement für Klimaanpassung inzwischen ist, zeigt auch die Resonanz auf den Wettbewerb. Zum zehnjährigen Jubiläum gingen 488 Bewerbungen für den „Blauen Kompass“ ein: So viele wie noch nie.    
Die offizielle Preisverleihung fand am 17. September 2026 im Bundesumweltministerium in Berlin statt. Sie war der Höhepunkt der bundesweiten "Woche der Klimaanpassung".

 

Weitere Infos zu den Siegerprojekten hier.

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