Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Praxis: Der Landkreis Reutlingen im Kurzinterview
Nachhaltigkeitsberichte schaffen Transparenz und Aufmerksamkeit für Nachhaltige Entwicklung vor Ort, sie machen Erfolge sichtbar und helfen, Handlungsbedarfe zu erkennen. Zudem können Sie eine wirkungsorientierte Steuerung unterstützen und die Zusammenarbeit in der Verwaltung stärken. Nicht umsonst gehört der Bericht zum zentralen Instrumentenkanon für ein erfolgreiches kommunales Nachhaltigkeitsmanagement. Doch wie gelingt die Erstellung in der Praxis? Wir haben bei Dr. Franziska Huttenlocher und Salome Mages vom Kreisamt für Nachhaltige Entwicklung des Landkreises Reutlingen nachgefragt. Im Gespräch berichten sie über ihre Erfahrungen mit dem BNK-Standard und einer Lückenanalyse sowie über neue Gefühle durch ressortübergreifende Zusammenarbeit.
Sie haben den Berichtsprozess inzwischen abgeschlossen. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?
Vor allem, wie wichtig eine gute ämterübergreifende Zusammenarbeit ist. Die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts lebt davon, dass viele Fachbereiche ihren Beitrag leisten und unterschiedliche Informationen zusammengeführt werden. Das erfordert eine enge Abstimmung und ist kein routiniertes Alltagsgeschäft. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie wertvoll die Erfahrungen aus dem Erstellungsprozess unseres ersten Werkstattberichts „Nachhaltiger Landkreis Reutlingen“ waren. Auf diesen Strukturen konnten wir aufbauen, sodass sich der Berichtsprozess effizienter gestalten ließ.
Der Landkreis Reutlingen hat bereits 2021 den Werkstattbericht „Nachhaltiger Landkreis Reutlingen“ veröffentlicht. Wie knüpft der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht, den Sie mithilfe des BNK-Standards entwickelt haben, daran an?
Der aktuelle Bericht übernimmt die Systematik des ersten Werkstattberichts und gliedert sich in Einzelberichte zu den kreiseigenen 25 nachhaltigen Entwicklungszielen. Die Ziele bilden den Kern des landratsamtsinternen Nachhaltigkeitsprozesses. Sie sind inzwischen weitgehend in der Verwaltung verankert und stellen einen Kompass für das Verwaltungshandeln dar. Hier war es möglich, die bestehende Struktur mit den Anforderungen des BNK-Standards zu verbinden.
Auch organisatorisch konnten wir an die Erfahrungen der vergangenen Jahre anknüpfen. Seit 2021 haben wir ein ämterübergreifendes Nachhaltigkeitsteam aufgebaut und die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung weiterentwickelt. Dadurch konnten wir auf bekannte Ansprechpersonen und vorhandene Informationen zurückgreifen.
Warum haben Sie sich für den BNK-Standard entschieden?
Der BNK-Standard bietet eine einheitliche und praxiserprobte Struktur für die kommunale Nachhaltigkeitsberichterstattung. Er erleichtert die systematische Aufbereitung von Nachhaltigkeitsinhalten und schafft eine gute Vergleichbarkeit mit anderen Kommunen. Zudem unterstützt er dabei, alle relevanten Themenfelder der nachhaltigen Entwicklung vollständig abzubilden.
Der große Mehrwert war die Unterstützung durch die LAG 21 NRW im Rahmen des Förderprojekts "BNK bundesweit" der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global. Dies bedeutete für uns auf der einen Seite eine konkrete Arbeitsentlastung bei der Berichtserstellung, auf der anderen Seite wurde uns durch eine externe Fachstelle bestätigt, dass sich unsere Handlungsfelder mit den BNK-Aspekten decken und wir somit mit unserem Werkstattbericht eine umfassende Nachhaltigkeitsberichterstattung vorweisen können.
Ein Nachhaltigkeitsbericht lebt von der Zusammenarbeit vieler Fachbereiche. Wie haben Sie den Prozess innerhalb der Verwaltung organisiert?
Dadurch, dass wir seit 2021 ein ämterübergreifendes Nachhaltigkeitsteam in der Kreisverwaltung etabliert haben, war dies relativ einfach. Wir konnten auf bestehende Strukturen, bekannte Kontakte innerhalb der Ämter und Fachbereiche sowie regelmäßige Austauschformate, wie eine halbjährliche Sitzungsroutine, zurückgreifen.
Neben dem Nachhaltigkeitsbericht haben Sie auch eine Lückenanalyse durchgeführt. Welche Erkenntnisse liefert sie – und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
Die Ergebnisse der Lückenanalyse bestätigen, dass wir sowohl mit unserem ersten Werkstattbericht als auch mit dessen Fortschreibung über eine solide fachliche und organisatorische Grundlage verfügen. Damit haben wir eine gute Ausgangsbasis, um den nächsten Schritt von der Bestandsaufnahme hin zu einem strategisch ausgerichteten Nachhaltigkeitsmanagement zu gehen. Gleichzeitig macht die Lückenanalyse Optimierungspotenziale transparent, insbesondere in Bezug auf eine wirkungsorienteire Steuerung der Nachhaltigkeitsarbeit und zeigt konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung auf. Sie dient uns damit als wichtige Orientierung für die nächsten Entwicklungsschritte.
Abschließend: Welche Empfehlungen würden Sie anderen Kommunen mit auf den Weg geben, die eine Nachhaltigkeitsberichterstattung aufbauen möchten?
Der wichtigste Punkt ist unserer Meinung nach, dass das Thema Nachhaltigkeit von der Verwaltungsspitze mitgetragen wird und dies auch in die Verwaltung kommuniziert wird. Ein Nachhaltigkeitsbericht kann nicht von einer Person oder einem kleinen Team alleine verfasst werden. Es braucht die Unterstützung aller Fachbereiche, die wiederum die Legitimation der Verwaltungsspitze benötigen, sich mit ihren zeitlichen Ressourcen in die Berichterstattung einzubringen. Entscheidend ist also, Nachhaltigkeitsberichterstattung als gemeinschaftliche Aufgabe der gesamten Verwaltung zu verstehen.
Der BNK-Standard bietet hierfür einen hilfreichen Rahmen und unterstützt insbesondere Kommunen, die erstmals eine systematische Nachhaltigkeitsberichterstattung aufbauen oder bestehende Berichte weiterentwickeln möchten.
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