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Große Bandbreite auf einen nachhaltigen Nenner bringen: Christoph Gerwers, Landrat des Kreises Kleve, im Gespräch

Foto: Kreis Kleve | Markus van Offern

Was bewegt die Mitglieder der LAG 21 NRW? Wie setzen sie sich für Nachhaltige Entwicklung ein? Diesmal: Christoph Gerwers, Landrat des Kreises Kleve

Vom Dorf bis zur Hochschulstadt: Die kommunale Vielfalt im Kreis Kleve ist hoch! Hier gilt es, unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse auf eine Linie zu bringen – und dabei nachhaltige Lösungen zu finden. Landrat Christoph Gerwers verrät im Interview, wie die kreiseigene Nachhaltigkeitsstrategie dabei hilft und wie der Austausch mit Nachbarn in NRW und Partnern in der Ukraine aus noch mehr Vielfalt noch mehr Stärke macht.

 

Herr Landrat Gerwers, was verstehen Sie unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“?

„Nachhaltigkeit“ meint das Ziel, allen Generationen nicht nur im Kreis Kleve, sondern an allen anderen Orten auf der Erde eine lebensfähige Zukunft zu sichern. Dies berücksichtigt nicht nur den Klimaschutz, sondern auch den verantwortungsbewussten Umgang mit allen Ressourcen, um Chancengleichheit hinsichtlich sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte zu erhalten beziehungsweise wieder herzustellen.

Was läuft bereits gut in Sachen „Nachhaltigkeit“ im Kreis Kleve?

Wir haben im Jahr 2024 gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung, der politischen Parteien und vielen Organisationen eine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie im Rahmen des Projekts „Global Nachhaltige Kommune“ erarbeitet. Diese steht im Kontext der Agenda 2030 der UN und berücksichtigt die 17 Nachhaltigkeitsziele ebenso wie die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.

Die Nachhaltigkeitsstrategie des Kreises wurde durch eine Steuerungsgruppe entwickelt.

Daneben setzt der Kreis Kleve in unterschiedlichen Bereichen wie Klimaschutz oder Mobilität kürzlich verabschiedete Konzepte um – diese behandeln häufig Elemente aus dem Bereich der Nachhaltigkeit. Zusätzlich bilden wir gemeinsam mit dem Kreis Wesel das Partnerschaftsbündnis „Ökomodellregion Niederrhein“ im Bereich Landwirtschaft und Vertrieb. Nach der dreijährigen Startphase als Modellprojekt wurde die Kooperation gerade um weitere drei Jahre verlängert.

Welche spezifischen Herausforderungen für „Nachhaltige Entwicklung“ existieren im Kreis?

Der Kreis Kleve ist ein landwirtschaftlich geprägter Flächenkreis im Westen von Nordrhein-Westfalen. Er besteht aus 16 kreisangehörigen Städten und Gemeinden. Die Kommunen sind dabei sehr unterschiedlich: Die Bandbreite reicht von der kleinen Gemeinde bis hin zur Kreisstadt mit Hochschulstandort. Der Kreis Kleve muss also bei ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen vor Ort alle Bedürfnisse einer gemeinsamen nachhaltigen Entwicklung im Blick haben und gleichzeitig Akzeptanz für die Maßnahmen in der Bevölkerung schaffen. Zudem teilen wir uns mit den Niederlanden mehr als 135 Kilometer Grenze. Damit spielt der „kleine Grenzverkehr“ und der europäische Gedanke in unserem Kreis eine besondere Rolle.

Im April 2024 hat der Kreistag die im Projekt „Global Nachhaltige Kommune NRW“ entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie für den Kreis Kleve beschlossen. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem mit der Umsetzung der Strategie gemacht?

Hier klicken und in die Strategie schauen

Wir konnten davon ausgehen, dass das Thema Nachhaltigkeit bei allen am Prozess Beteiligten eine hohe Wertschätzung genießt. Doch natürlich sind wir auf die Unterstützung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie von Partnern außerhalb der Kreisverwaltung angewiesen. Bereits im ersten Jahr nach dem offiziellen Beschluss stellen wir fest: Natürlich stoßen neue zusätzliche Aufgaben bei unseren Kolleginnen und Kollegen nicht immer auf Begeisterung, aber es hat sich gezeigt, dass wir gemeinsam und auf mehrere Schultern verteilt Vieles bereits angestoßen haben oder bereits umsetzen konnten.

Ein schönes Beispiel dafür ist der Wissenstransfer mit der Ukraine. Das Ziel einer Partnerschaft mit einem ukrainischen Rajon (Kreis) haben wir in der Nachhaltigkeitsstrategie verankert. Mitte November 2025 waren bereits die ersten Gäste aus dem Rajon Podilsk im Süden der Ukraine zu Gast im Kreis Kleve. Eine Woche lang haben sie nicht nur Kontakte geknüpft, sondern sich auch auf fachlicher Ebene mit Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung ausgetauscht. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie etwas Großes entstehen kann, wenn ganz unterschiedliche Akteure ihre Stärken einbringen – in diesem Fall neben der Kreisverwaltung auch das Land NRW, die Kommunen, die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve und Unternehmer aus dem Kreisgebiet.

Wie gelingt das Zusammenspiel bzw. der Austausch zwischen der Nachhaltigkeitsstrategie des Kreises und den Zielsystemen für Nachhaltigkeit in den Städten und Gemeinden des Kreises?

Aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten vor Ort ist auch dieser Austausch nicht immer einfach. Aber: Der Prozess ist sehr gut angelaufen. Als positives Beispiel möchte ich den Zusammenschluss der Klimamanagerinnen und Klimamanager der 16 Kommunen und der Kreisverwaltung zu den „Klima.Partnern im Kreis Kleve“ nennen. Dieses Netzwerk trifft sich regelmäßig, hat eine gemeinsame Internetplattform ins Leben gerufen und setzt Projekte gemeinsam um. Die „Klimawochen im Kreis Kleve 2025“ beinhalteten neben den typischen Vorträgen unter anderem auch ungewöhnliche Ideen wie einen Klima-Kochkurs, Klima-Spaziergänge oder einen Malkurs für Kinder.

Natürlich ist das nicht die einzige gemeinsame Zusammenarbeit in der „Kreis-Familie“. Auch in weiteren Arbeitsbereichen wie Soziales, Gesundheit oder Mobilität gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und der Kreisverwaltung.

Wallfahrtsstadt Kevelaer | Foto: Gerhard Seybert

Gemeinsam mit dem Kreis Wesel wurde Ende 2021 die Ökomodellregion Niederrhein gegründet, um regionale und ökologische Produkte zu fördern. Wie funktioniert die Zusammenarbeit und welche Nachhaltigkeits-Erfolge konnten dadurch bisher erzielt werden?

Ziele der „Ökomodellregion Niederrhein“ sind, mehr Akzeptanz, mehr Angebot und mehr Absatz für regionale „Bio-Produkte“ zu erzielen. Dazu gehört konkret: Wir möchten den ökologischen Landbau ausbauen, mehr regionale Bio-Produkte erzeugen, Absatzmärkte stärken, Wertschöpfungsketten auf- und ausbauen und ein höheres Verbraucherbewusstsein aufbauen. Als landwirtschaftlich geprägte Region haben wir erstklassige Produkte. Wir möchten durch den Zusammenschluss und das Netzwerk die resiliente, faire und nachhaltige Ernährungswirtschaft vor Ort stärken. Hier „schlummern“ noch viele Potenziale.

Momentan bauen wir ein Partnerschaftsbündnis auf. Mit diesem schaffen wir eine neue Plattform für den Austausch und die Zusammenarbeit. Erste Betriebe und Kantinen haben sich bereits zertifizieren lassen. Bei „Tagen der offenen Tür“, Radtouren oder Hoffesten können die Verbraucherinnen und Verbraucher die Bio-Betriebe kennenlernen. Und Lehrkräfte können sich beispielsweise bei der Fortbildung „Der Bauernhof als außerschulischer Lernort“ schulen.

Ihrer Meinung nach: Warum lohnt es sich für Kommunen, beim Thema Nachhaltigkeit auf eine strategische Steuerung zu setzen?

Unsere Nachhaltigkeitsstrategie hilft uns vor allem, den gesamten Prozess zu strukturieren. Uns – und damit meine ich alle Beteiligten – war es wichtig, lebensnahe Probleme anzugehen und realistische Ziele zu formulieren. Durch die Strategie werden unsere Maßnahmen zudem messbar. Auch das schafft Akzeptanz. Mit einer strategischen Steuerung kann das Handeln in der Verwaltung an den Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet werden. Damit können wir Maßnahmen priorisieren und den Fortschritt transparent darstellen.

Weitere Infos zu Nachhaltigkeit im Kreis Kleve hier.

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