Diese Seite teilen
Link kopieren
Newsletter

Ein kleiner Rückblick auf unsere Jubiläumsfeier „25 Jahre LAG 21 NRW“

Fotos: Sarah Rauch

Am 17. März 2026 feierten wir, Verein und Geschäftsstelle der LAG 21 NRW, 25 Jahre Arbeit rund um Nachhaltige Entwicklung mit zahlreichen Wegbegleiter*innen. Neben einer Zeitreise durch die Vereinsgeschichte gab es auch inspirierende und nachdenkliche Beiträge zum aktuellen Nachhaltigkeitsgeschehen.

Im März 2001 fand die Gründungsversammlung der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW statt – damals in Schwerte und als Austauschplattform für kommunale Mitarbeitende, die lokale Lösungen für die Umsetzung der Agenda 21 entwickeln wollten und als Netzwerk aus der Praxis für die Praxis.

Über die Jahre entwickelte sich aus dem Verein eine umtriebige Geschäftsstelle, die mit eigenen Projekten und Kampagnen die Nachhaltige Entwicklung in NRW und später auch weit über Landesgrenzen hinaus prägte.

Von der Agendabewegung zur Nachhaltigkeitsinstitution

Die Jubiläumsfeier zum 25jährigen Bestehen, die am 17. März in der Hörder Burg in Dortmund stattfand, eröffnete Klaus Breyer, nicht nur als Vertreter des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und des KlimaDiskurs.NRW, sondern vor allem als Gründungsmitglied der LAG 21 NRW. Er unterstrich, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch nie ein Nice to Have waren, sondern existenzielle Notwendigkeit unserer Daseinsvorsorge. Nannte man es in 2001 noch nicht Resilienz, war die Idee der Zukunftsfähigkeit schon damals gegenwärtig. Breyer betonte, dass die LAG 21 NRW ein einzigartiges Netzwerk darstellt, das viel zur Professionalisierung der Agendabewegung beitrug und weiter dafür wirkt, Nachhaltigkeit ins kommunale Kerngeschäft zu bringen – also dorthin, wo konkret gehandelt wird!

Grußworte der Landesregierung und des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW überbrachte Staatssekretär Viktor Haase. „Ihr habt Menschen zusammengebracht und gemeinsam Lösungen entwickelt. Ihr seid eine Stimme, die wir dringender brauchen denn je“, so Haase. Er unterstrich, dass die Wirkung der Arbeit immer weit über die umgesetzten Projekte hinaus geht und zentrale Nachhaltigkeitsprozesse mitgestaltet. Sein simpler, treffender Wunsch für die Zukunft der LAG 21 NRW: Weitermachen!

Klaus Breyer (oben) & Staatssekretär Viktor Haase

Keynote und Interview: Was braucht es für gelingende Nachhaltigkeit?

Einen Blick auf die aktuelle Situation kommunaler Nachhaltigkeit warf Dr. Peter Kurz in seiner Keynote. Als ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Mannheim hielt er fest, dass Kommunen immer noch nicht im Zentrum der Debatte stünden – obwohl sie unmittelbare Umsetzungsebene sind. „Die kommunalen Praktiker gehören bei der Konzeption von Politik, wie der Ausgestaltung von Gesetzen oder Fördergeldern, an den Tisch!“ Er definierte Kommunen als Ökosystem mit unverzichtbarer Problemlösungskompetenz – mahnte aber auch an, dass die gesellschaftliche Verständnisfähigkeit und die Regierungseffektivität beide durch gezielte Angriffe auf Fakten sowie ideologisierte Debatten abnähmen.

Dr. Kurz erinnerte daran, dass gute Politik greifbare Resultate, wie funktionierende Infrastrukturen, und Kontinuität brauche. Zudem müsse die stabile und einige Mitte sichtbarer gemacht werden – und damit einhergehend das faktische Argument wieder an Herrschaft gewinnen. Seiner Meinung nach bestehe eine Sehnsucht nach Politik, die Herausforderungen realistisch beschreibt, nach Antworten sucht und das Notwendige mit ehrlicher Ansprache abverlangt.

Anschließend trat Dr. Peter Kurz in einen Dialog mit Journalist und Newsfluencer Fabian Grischkat. Gesprächspunkte waren u.a. die kommunale Ebene als unterschätztes demokratisches Bollwerk in einer Zeit, in der Nationalstaaten an Handlungsfähigkeit verlieren und gezielt unter Druck geraten. Sie arbeiteten heraus, dass Kommunen als pragmatische Problemlöser Nachhaltigkeitsthemen (wie Klimaschutz) gewinnbringend umsetzen, während diese Themen von höheren politischen Ebenen oft als Störung wahrgenommen werden. Beide kritisierten die Tendenz, Klimaschutz aus einer sachpolitischen Logik in einen Kulturkampf zu ziehen. Deshalb sei es notwendig, Nachhaltigkeitsfragen offensiv als Sicherheits‑ und Resilienzthemen zu rahmen, die alle betreffen. Zentrale Hemmnisse für Politik seien dabei Angst und Kurzsichtigkeit – für Zivilgesellschaft sei es deshalb auch wichtig, Mut zu spenden.

Peter Kurz und Fabian Grischkat

Fünf Reisen durch 25 Jahre LAG 21 NRW

Herzstück der Jubiläumsfeier war eine Zeitreise durch 25 Jahre Vereinsgeschichte und entlang von fünf zentralen Themensträngen in der Arbeit der LAG 21 NRW. Zum Thema Netzwerke tauschte sich Mona Rybicki mit Ariane Bischoff (Stadt Solingen) und Josef Ahlke (Zukunftsfähiges Thüringen) aus. Beide hoben hervor, wie stark sich die Qualität der Arbeit und des Netzwerkes der LAG 21 NRW entwickelt habe. Als Aufgabe sahen sie die Vermittlung progressiver Zukunftsbilder, Hartnäckigkeit beim Adressieren relevanter Themen und das Vermögen, ein bundesweiter Motor für wirkungsorientierte Nachhaltigkeitsarbeit zu sein.

Über Klimaschutz und -anpassung sprach Moritz Schmidt mit Prof. Dr. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH) und Klaus Breyer (KlimaDiskurs.NRW). Den Themenkomplex bearbeitete die LAG 21 NRW in ihren ersten Jahren besonders fokussiert, aber auch sektoral, wohingegen es heute in vielschichtige Prozesse eingebunden ist. Als Schlüsselmoment benannte das Trio die gescheiterte Klimakonferenz von Kopenhagen, nach der Bottom-up-Ansätze (aus den Kommen) wuchsen und sogar in ein Klimaschutzgesetz für NRW gipfelten. Akute Aufgabe sei heute, Klimathemen als Gestaltungsaufgabe für alle zu kommunizieren.

Dr. Klaus Reuter sprach mit Inga Melchior (Städtetag NRW) und Bürgermeister Markus Baier (Alte Hansestadt Lemgo) über das Thema Nachhaltigkeitsmanagement. Deutlich wurde, dass Kommunen durch die partizipative Entwicklung gemeinsamer Zukunftsvisionen identitätsstiftend wirken können. Die Expertise und Vernetzung der LAG 21 NRW zum Thema seien dabei „Gold wert“.

Das Feld Sport und Nachhaltigkeit besprach Alice Berger mit Lena Recktenwald (Deutscher Olympischer Sportbund) und Ilja Wassenhoven (Landessportbund NRW). Sie lobten, dass die LAG 21 NRW richtungsweisende Schritte eingeleitet habe, um Nachhaltigkeit im und durch den Sport voranzubringen – und dabei insbesondere Vernetzungen zwischen den beiden Welten ermögliche.

Zuletzt tauschte sich Moritz Schmidt mit Dr. Stefan Wilhelmy (Engagement Global) und Monika Dülge (Eine Welt Netz NRW) zum Thema Global denken aus. Einen Schlüsselmoment fanden sie in der Initiierung der Kommunalen Klimapartnerschaften als Weiterentwicklung der Idee von Städtepartnerschaften. Der Ansatz, Klimafragen dabei nicht bloß symbolisch, sondern strategisch anzugehen, habe viel zur Professionalität hier und im Globalen Süden beigetragen.

Gerahmt wurde die Zeitreise durch zwei poetische Beiträge der Poetry Slammerinnen Luca Swieter und Luise Wolff, die sich um Utopien und Reisen durch die Menschheitsgeschichte drehten.

Der Blick zurück, der Blick nach vorn

Zum Ende der Jubiläumsfeier wagte Moderatorin Katharina Kühn gemeinsam mit Dr. Klaus Reuter und Alexandra Landsberg, Referatsleiterin im NRW-Umweltministerium, noch mit dem großen Ganzen im Sinn den Blick zurück und nach vorn. Der Dialog unterstrich, dass es in der Nachhaltigkeitsarbeit immer ein Auf und Ab gab, es aber stetig vorangehe. Wichtig für die Zukunft seien vor allem die Wirkungsorientierung kommunaler Finanzen, die Vermittlung positiver und ermutigender Zukunftsbilder und gestärkte Dialoge zwischen Land und Kommunen.

Der Abend klang mit vielen weiteren Gesprächen und Erinnerungen aus. Wir bedanken uns bei allen, die den Werdegang der LAG 21 NRW über die Jahre hinweg mitgestaltet haben – und freuen uns auf die nächsten Jahre, Meilensteine und Begegnungen.

 

 

Zurück

LAG 21 NRW Newsletter

Jetzt anmelden und nachhaltig informiert werden.