Blick ins Feld: Diese SDGs sind bei Kommunen hoch im Kurs
Wir haben die frisch im Projekt „Prozesskette Nachhaltigkeit NRW“ erarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategien unter die Lupe genommen, um zu prüfen: Auf welche SDGs zahlen die meisten der beschlossenen Ziele ein? Ein Überblick.
Zahlreiche Analysen haben bereits gezeigt: Mehr als 60 Prozent der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) können nur durch das Handeln auf kommunaler Ebene umgesetzt werden. Doch welche SDGs setzen kommunale Akteur*innen auf ihrer Agenda ganz nach oben?
Aufschluss kann ein Blick in die kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien geben, die in der zweiten Laufzeit unseres Projekts „Prozesskette Nachhaltigkeit NRW“ entstanden sind. Hier haben Steuerungsgruppen mit Vertreter*innen aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam für ihre Städte und Gemeinden Handlungsfelder priorisiert, Ziele entwickelt und Maßnahmen festgelegt.
Bevor wir einen Blick in die Zahlen werfen der obligatorische Hinweis: Die Daten stammen aus acht Kommunen verschiedener Größe, die alle in NRW liegen (vier Städte, zwei Gemeinden, ein Städteverbund sowie ein Kreis - siehe Karte). Andere Kommunen in anderen Regionen (z.B. an Küsten) würden organisch andere Schwerpunkte legen. Folgend nun die Einblicke aus unserem Projektkontext.
Das sind die Top-Performer
Insgesamt wurden über die acht Kommunen, deren Strategien in die Betrachtung einfließen, 788 Bezüge zu den 17 SDGs und ihren jeweiligen Unterzielen auf der operativen Ebene hergestellt.
Spitzenreiter ist SDG 11 - 173 der kommunalen Ziele stellen einen Bezug zum Nachhaltigkeitsziel für nachhaltige Städte und Gemeinden her. Wenig verwunderlich, geht es hier doch um kommunale Kernkompetenzen wie bezahlbarer Wohnraum, partizipative Stadtentwicklung und sicherer Verkehr, aber auch gute Nahversorgung und Reduzierung der Umweltbelastungen von Kommunen.
Platz 2 geht an SDG 12 – Nachhaltige/r Konsum und Produktion. Hier geht es um Möglichkeiten nachhaltiger Beschaffung, Abfallreduktion und das Umsteuern auf zirkuläres Wirtschaften, aber auch Information und Bewusstseinsschaffung für Nachhaltige Entwicklung. Gezählt wurden 94 Zielbezüge.
Dicht darauf folgt mit 87 Bezügen das Ziel für hochwertige Bildung (SDG 4). Kostenlose Bildungsangebote, die Verankerung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) oder auch die Förderung lebenslangen Lernens stehen hier im Fokus.
Auf Platz 4 steht SDG 10. Das Ziel für „Weniger Ungleichheiten“ taucht in zahlreichen Handlungsfeldern auf und berührt mannigfaltige Themengebiete. Wichtige Themen sind hier u.a. Integration, Inklusion, Diversität, Chancengerechtigkeit und Armutsreduktion.
Die Top 5 schließt SDG 15 – Leben an Land. Unter den 69 Zielen finden sich Aktivitäten zur Steigerung der Biodiversität, von Grünflächen und des Waldschutzes sowie Themen wie Wiederherstellung von Ökosystemen und Umweltbildung.
Diese SDGs werden am wenigsten bearbeitet
Wo es eine Top 5 gibt, gibt es auch Schlusslichter. Dazu gehören SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) mit 14 Bezügen und SDG 6 (sauberes Trinkwasser) sowie SDG 1 (Keine Armut) mit jeweils 11 Bezügen. Anzumerken ist, dass die Kommunen zu Anfang des Strategieprozesses aus zwölf Handlungsfelder (angelehnt an die Systematik des „Berichtsrahmen Nachhaltige Kommune“) sechs für sich priorisiert haben, die jeweils ein festgelegtes Set an SDGs beinhalten.
Kleiner Schocker auf dem vorletzten Platz: SDG 5, das Ziel für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, ist nur mit vier expliziten Zielbezügen vertreten. Wie erwähnt finden sich Bezüge für Gleichstellung aber auch im Top-Performer SDG 10 und weitere Ziele zahlen auf das Thema ein, ohne ausschließlich zu SDG 5 zugeordnet zu sein.
Der letzte Platz geht an SDG 14 – Leben unter Wasser. Da es hier vor allem um den Schutz der Meere geht, haben NRW-Kommunen weniger explizite Bezüge. Aktivitäten wie die Verringerung von Plastikmüll (durch Kreislaufwirtschaft oder nachhaltige Beschaffung) könnten durchaus als Beitrag zum Meeresschutz gezählt werden, wurden allerdings als indirekter Bezug nicht in die Zählung eingerechnet. Zudem werden oft Beiträge zum Schutz von Flüssen und Seen zu anderen SDGs, insbesondere SDG 15, gezählt, obwohl es natürlich auch hier Leben unter Wasser gibt, dass sich über nachhaltige Behandlung freut. Dennoch sprechen wir gerne den Hinweis aus, dass auch küstenferne Kommunen sich auf verschiedenen Wegen für den Schutz der Meere (der uns alle angeht) stark machen können!
Nächste Schritte und weitere Infos
Die vollständigen Strategien der zweiten Laufzeit befinden sich in den Projektkommunen aktuell auf dem Weg Richtung ihrer finalen Beschlüsse. Sobald die Dokumente veröffentlicht und einsehbar sind, finden Sie diese auf unserer Homepage.
Werfen Sie derweil gerne einen Blick ins Portal Nachhaltigkeit, wo zahlreiche Nachhaltigkeitsdokumente aus ganz Deutschland hinterlegt sind: Portal Nachhaltigkeit
Zudem können die Strategien der 1. Laufzeit von PKN NRW hier eingesehen werden: Link
Weitere Infos zu Nachhaltigkeitsstrategien finden sich auf unserer Themenseite.
