Mit Optimismus auf dem Drahtseil: Kurzer Rückblick zur Konferenz „Balanceakt Nachhaltigkeit“
Was braucht es in herausfordernden Zeiten, um zentrale Themen einer gelingenden Transformation positiv zu gestalten. Auf unserer Konferenz „Balanceakt Nachhaltigkeit“ haben wir Antworten gesucht. Lesen Sie hier einen ersten Rückblick, bevor in Kürze die umfassende Dokumentation erscheint.
Kühl, aber sonnig: So las sich nicht nur der Wetterbericht für den 18. März 2026, an dem unsere Konferenz „Balanceakt Nachhaltigkeit“ in der Hörder Burg stattfand. So ließ sich auch die Grundstimmung beschreiben, die Referent*innen und Teilnehmende der aktuellen Arbeit im Bereich Nachhaltigkeit attestierten. Nicht selten fühle sie sich wie ein Manöver übers Drahtseil an, mit Gegenwind und unter Kanonenbeschuss. Gleichzeitig herrschte während der Konferenz ein positiver Gestaltungswille, um offen und kreativ nach nächsten Schritten für zentrale Zukunftsthemen zu suchen.
Dies griff Dr. Klaus Reuter, geschäftsführender Vorstand der LAG 21 NRW, in seinen Grußworten auf: „Wir wollen positive Zukunftsbilder entwerfen und uns von den multiplen Krisen unserer Zeit nicht vom Seil schubsen lassen.“ Er betonte, dass dafür die schweigende Mehrheit, die grundlegend einer sozial-ökologischen Transformation zustimmt, aktiviert werden müsse, ebenso wie es eine stabile, lebendige Demokratie für deren Umsetzung brauche.
Keynote: Mit positiven Bildern in die Zukunft
Die richtige Stimmung konnte Transformationsberaterin Stella Schaller vom Thinktank Reinventing Society mit ihrer Keynote setzen: Sie beschrieb, dass Nachhaltigkeit in einen Kulturkampf hineingerutscht sei und es plötzlich ideologisch sei, sich für eine gute Zukunft für alle einzusetzen. "Wir dürfen in diesen Zeiten nicht den Weg verlieren, müssen uns gegenseitig Sinn und Kraft geben und positive Zukunftsbilder vermitteln.“
Die Zerrissenheit im aktuellen gesellschaftlichen Klima erklärte Schaller durch das „Two Loops“-Modell. Dieses visualisiert die Idee, dass wir heute das Alte zurückbauen müssen, während gleichzeitig das Neue aufgebaut werden müsse. Dafür fehle es aktuell vor allem an konstruktiven und energiespendenden Narrativen. Die positiven Zukunftsbilder, die Schaller vorschlägt, verbinden Renaturierung in urbanen Räumen, konsumfreie Begegnungsorte, nachhaltige Mobilität und gelebte Beteiligung. Dies seien nicht alles Utopien, sondern teils existierende Lösungen. Es gelte, die Aufmerksamkeit weg von den Krisen und auf diese funktionierenden Lösungen zu lenken.
Damit eine sozial-ökologische Transformation gelingt, benannte Schaller fünf Faktoren: Visionen mit Fokus auf das Neue, Mut zu Experiment und Kooperation, Kommunikation funktionierender Beispiele, Begegnungsräume, in denen Menschen gehört werden und eine eigene Regeneration (quasi: „Walk the Talk“).
Abschließend lud sie die Teilnehmenden zu einer Visionsübung ein und ermöglichte in einigen stillen Momenten die Visualisierung dessen, was man selbst als nachhaltigen, erstrebenswerten Ort betrachte.
Gemeinsames Tüfteln in vier Laboren
Mit diesen Eindrücken und den versammelten Fakten ging es für die Teilnehmenden anschließend in vier Innovationslabore zu den transformationsrelevanten Themen "Digitalisierung & Demokratie", "Zusammenhalt in Krisen", "Renaturierung & Klimaanpassung" sowie "Finanzen & Nachhaltigkeit".
Jedes Labor wurde durch Impulse von Fachexpert*innen eröffnet. Darauf aufbauend diskutierten die Teilnehmenden, welche zentralen Zukunftstrends sie im jeweiligen Thema als besonders wichtig erachten und welche To-Dos sich daraus ergeben. Mit diesen konkreten Schritten im Gepäck ging es schließlich in eine Synergiephase, in der sich jeweils zwei Labore austauschten, um festzustellen, welche Wechselwirkungen zwischen den ermittelten Trends und To-Dos bestehen.
Die Ergebnisse werten wir aktuell aus und publizieren sie zeitnah in Form einer Dokumentation. Diese soll sowohl uns als auch allen Teilnehmenden und Lesenden als Wegweiser für die zukünftige Arbeit zur Nachhaltigen Entwicklung dienen.
Podiumsdiskussion: Gemeinsame Wege zur Zukunftsfähigkeit finden
Abgerundet wurde der Tag durch eine Podiumsdiskussion rund um die Frage, wie eine gemeinsame Umsetzung von Nachhaltigkeit bei steigender Dringlichkeit und Gegenwind gelingt. Auf dem Podium diskutierten mit Dr. Klaus Reuter (LAG 21 NRW) Dr. Dorothea Morgenweg vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW, Dr. Andrea Dittrich-Wesbuer vom ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung sowie Rosa Strube vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production.
Besprochen wurde unter anderem der Wert von Beteiligung für das Gelingen einer Transformation. Die Panelistinnen zeigten sich einig, dass Partizipation die Prozesse nicht verlangsamt, sondern aufwertet. Dafür müsse Beteiligung aber konzentriert, strukturiert und ergebnisorientiert ablaufen, diverse Zielgruppen auf Augenhöhe und mit passender Ansprache einbinden und ehrlich kommunizieren, was mit den Ergebnissen passiert und welche Wirkung überhaupt möglich ist.
Auf die Frage, wie konstruktives Miteinander in einer digitalen Welt gelingt, konstatierte Dr. Andrea Dittrich-Wesbuer: „Wir können Informationsflut und Hass im Netz nur schwer aufhalten, aber wir können mit echten lokalen Prozessen dagegenhalten. Dafür brauchen wir geschützte Nischen-Räume, in denen wir etwas ausprobieren können, ohne den Zwang bestimmte Ergebnisse oder Erfolge zu produzieren.“
Rosa Strube ergänzte, dass insbesondere für die Zivilgesellschaft gelte, sich beim Megatrend KI nicht abhängen zu lassen. „Wir müssen die Auswirkungen der KI-Nutzung verstehen und Kompetenzen entwickeln, um angemessen darauf zu reagieren.“
Als Gelingensfaktor wurde zudem Kommunikation besprochen. Dr. Dorothea Morgenweg appellierte, den lauten und überzogenen Stimmen nicht mit der gleichen Tonalität zu begegnen – sondern etwas Positives, Aktivierendes entgegenzusetzen. Als gute Option benannte Rosa Strube die Anpassung von Wordings, um weniger emotional aufgeladen trotzdem die richtigen Inhalte zu vermitteln. „Manchmal hilft es schon, statt von nachhaltiger Ernährung, von gesunder Ernährung zu sprechen.“ Als konkretes Beispiel ergänzte Dr. Klaus Reuter die Neuauffassung von Nachhaltigkeit als Stabilitätsfaktor.
Zum Ende der Diskussion hob Dr. Dorothea Morgenweg einen Punkt hervor, der viel Zustimmung erntete: Der Backlash gegen Nachhaltigkeit und die Verunsicherung, die aktuell oft in der Gesellschaft spürbar sei, wäre bei dieser Konferenz draußen geblieben. Zu spüren gewesen sei stattdessen das Herzblut, Dinge positiv voranzubringen und Menschen dafür mitzunehmen. „Manchmal braucht es einfach die Bewusstseinsbildung, die entsteht, wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen und verstehen, dass sie an gleichen Herausforderungen arbeiten.“
Veranstaltungsdokumentation folgt in Kürze
Welche Schritte dabei konkret in den Themen des Tages gemacht werden können, werden wir anhand der Workshopergebnisse ausarbeiten und zeitnah in einer Veranstaltungsdokumentation publizieren.
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