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Demografische Lage der Nation: Vom Schrumpfen und Verschieben

Alle Abbildungen: © Berlin-Institut

Eine neue Vermessung deutscher Kreise und kreisfreier Städte liefert Daten für eine Bevölkerungsprognose sowie ein Deutschland-Ranking mit Zukunftsfähigkeit-Index. Was es zu wissen gilt und wieso NRW unterdurchschnittlich im Mittelfeld versackt, hier.

Deutschland wird insgesamt älter und bevölkerungsärmer – wobei deutliche Unterschiede zwischen Regionen herrschen. So liest sich das Fazit der Studie „Demografische Lage der Nation“, die Anfang Oktober erstmals seit 2019 vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot Stiftung veröffentlicht wurde.

Die erhobenen Daten bestätigen dabei, was schon lange im Raum steht: Deutschland schrumpft laut Prognose bis 2045 auf rund 81,8 Millionen Menschen. Gut zwei Drittel der Kreise und kreisfreien Städte verliert an Bevölkerung.

Wachstum nur noch rund um Metropolen

Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung, in Prozent, 2024 bis 2045

Die Publikation stellt dieser Erkenntnis eine wichtige Differenzierung an: „Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, ob Deutschland wächst oder schrumpft, sondern wo“, heißt es von Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts. Während an manchen Orten also bestehende Aufgaben mit immer weniger Kräften bewältigt werden müssen, gilt an anderer Stelle: neubauen, aufstocken, Platz schaffen.

Wo Deutschland besonders stark schrumpft

Besonders stark schrumpft der Osten Deutschlands, wobei einige Kreise in Brandenburg, rund um Berlin, eher mit Zuwachs (und Metropolauswanderungen) rechnen. Am stärksten betroffen sind Thüringen und Sachsen-Anhalt mit 15-17% Bevölkerungsrückgang.

Im Westen wird derweil besonders das Saarland immer leerer, während sich in NRW das Sauer- sowie das Münsterland lichten. Generell bleibt das Bevölkerungswachstum im stark besiedelten NRW laut Prognose milde bis rückläufig. Die Städte Köln, Düsseldorf, Bonn und Münster wachsen mit Raten von 0 bis 4,9 Prozent am stärksten.

Ranking entlang von Indikatoren für Zukunftsfähigkeit

Neben der Bevölkerungsprognose beinhaltet die Publikation einen BI-Index Zukunftsfähigkeit, der eben jene anhand von 26 Indikatoren in den Dimensionen Demografie, Wirtschaft, Bildung und soziale Bedingungen misst. Daraus ergibt sich ein Deutschland-Ranking.

Prognose zur Bevölkerungsentwicklung

(Anmerkung: Für eine tatsächliche Aussage zur Zukunftsfähigkeit einer Region fehlen in dieser Betrachtung Aussagen zu ökologischen Dimensionen. Wie lebenswert ein Ort ist, wird zukünftig maßgeblich davon abhängen, wie intakt die Ökosysteme sind, wie gut Klimaanpassung funktioniert usw.)

Die Top 20 der 400 untersuchten Kreise bzw. kreisfreien Städte liegen in diesem Ranking alle in Süddeutschland, wobei Bayern 18 Plätze belegt. Die Bestnote insgesamt geht aber an Hamburg.

Besonders schlecht schneiden im Ranking das Saarland, Sachsen-Anhalt, Bremen und Thüringen ab. Die niedrigsten Punktzahlen erreichen Oberhausen (NRW), Delmenhorst (Niedersachsen) und Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt).

NRW performt unter Durchschnitt

Insgesamt landet NRW auf Platz 10 des Rankings. Städte, die den Schnitt reißen, sind u.a. Gelsenkirchen (Platz 381), Herne (Platz 386), Recklinghausen (Platz 388) und das erwähnte Oberhausen (Platz 398). Auch Hagen, Duisburg, Wuppertal und der Märkische Kreis sind Low-Performer.

Unterdurchschnittlich schneidet NRW z.B. bei der Beschäftigungsquote von Frauen ab (Platz 14 von 16). Auch die hohe kommunale Verschuldung zieht nach unten. Über dem Durchschnitt liegen hingegen das durchschnittliche Einkommen und die gemessene Innovationskraft. Gut punkten kann NRW zudem durch einen niedrigen Wert bei Schulabgänger*innen ohne Abschluss und einen starken Wert bei Einbürgerungen.

Die Wachstumsprognose bis 2045 lautet: 3,7 Prozent Verlust. Dabei wächst die Zahl der über 67-Jährigen um rund 15 Prozent, während die 20-67-Jährigen um 7,2 und die unter 20-Jährigen um 9,8 Prozent sinken.

Die gesamte Publikation „Die demografische Lage der Nation“ steht hier zum Download.

Die genauen Daten zu NRWs Kreisen und Städten können hier eingesehen werden: demografischelage.de/vergleich

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