Abschlusskonferenz im Projekt BUNA: Nachhaltiger Sport auf die Eins
Zum Abschluss des Projekts "Breitensport, Umwelt und Nachhaltigkeit" trafen sich rund 90 Teilnehmende in Berlin - um die entwickelten Handlungsempfehlungen kennenzulernen, in den Austausch zu gehen und gemeinsame Kräfte für das Thema Nachhaltigkeit im Sport zu mobilisieren.
Die Konferenz wurde eröffnet mit Willkommensworten von David Kozlowski vom Landessportbund Berlin sowie einem politischen Grußwort von Carsten Träger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Mitglied des Bundestages. Carsten Träger unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung des Sports und seine Rolle als Wertevermittler. Er machte deutlich, dass Nachhaltigkeit im Sport nicht nur möglich, sondern notwendig ist – und dass politische Unterstützung sowie eine angepasste Förderpraxis diesen Weg aktiv begleiten müssen.
Spielregeln setzen
Im Anschluss stellte Dr. Klaus Reuter, geschäftsführender Vorstand der LAG 21 NRW, die Ziele und Arbeit des Projekts BUNA vor. Über zwei Jahre hinweg wurde daran gearbeitet, Nachhaltigkeit im Breitensport systematisch zu erfassen, zu analysieren und zu fördern. Dabei wurde deutlich: Es gibt großes Engagement und viele kreative Ansätze, doch eine strategische Verankerung noch Nachhaltigkeit in Sportorganisationen fehlt flächendeckend. Besonders das Ehrenamt und die verfügbaren Ressourcen seien stark belastet, so Reuter. Die im Projekt entwickelten Handlungsempfehlungen sollen hier praxisnahe Orientierung bieten.
Bewegung braucht Haltung: Quo vadis Breitensport?
Weitere Impulse kamen aus dem organisierten Sport und der Wissenschaft. Michaela Röhrbein, Vorständin beim DOSB, betonte die Rolle von Sportvereinen als soziale Ankerpunkte insbesondere in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche.: "Gerade da, wo andere Treffpunkte wegbrechen, kommt dem Sport umso mehr Verantwortung zu." Nachhaltigkeit sei zudem keine Zusatzaufgabe für den Sport, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Prof. Dr. Susanne Tittlbach von der Universität Bayreuth ordnete den Stand der Wissenschaft zu nachhaltigem Sport ein. "Die Forschung insgesamt ist noch sehr jung und der Breitensport viel weniger erforscht als der Spitzensport. BUNA hat es deshalb aus Forschungssicht dringend gebraucht." Sie unterstrich: Auch die Wissenschaft sieht Nachhaltigkeit als strategischen Erfolgsfaktor für Sportvereine. Sie sprach aber auch über die doppelte Rolle des Sports: als Verursacher und Betroffener von Umweltbelastungen – und zugleich als potenzieller Lösungsakteur. Abschließend entwarf Prof. Dr. Tittlbach eine Vision des Sports der Zukunft: klimaneutral, inklusiv, bildungsstark und gesundheitsfördernd.
BUNA: Die Forschungsarbeit unter der Lupe
Die Ergebnisse der Forschungsarbeit wurden von den Projektmitarbeitenden Alice Berger und Yannic Burstert vorgestellt. Ziel des BUNA-Projekts war es, den Status quo der Nachhaltigkeit im Breitensport zu erfassen, gute Beispiele sichtbar zu machen und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln.
Die Analyse zeigt: Nachhaltigkeit wird häufig nur punktuell umgesetzt, wirtschaftliche Überlegungen stehen oft im Vordergrund. Ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagement ist entscheidend, um alte Denkmuster und Hierarchien zu überwinden. Gleichzeitig bestehen große Herausforderungen in den Bereichen Finanzierung, Kommunikation und Ehrenamt. Vereine und Verbände wünschen sich mehr Orientierung und gezielte Unterstützung.
Vorbilder auf dem Platz
Im Praxisblock stellten sich ein Sportverein und ein Sportverband, die auch als gute Praxisbeispiele in den BUNA-Handlungsempfehlungen auftauchen, vor:
- Safa Semsary vom Verein Polar Pinguin Berlin berichtete über die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Vereinsalltag – mit einem Fokus auf faire Ausrüstung und Bewusstseinsarbeit.
- Lukas Gunzelmann, Sportdirektor vom Bayerischen Badminton-Verband, präsentierte die Nachhaltigkeitsaktivitäten seines Landesverbands, die unter anderem eine entsprechende Satzungsänderung, den Einsatz von digitalen Tools und die Umstellung auf einen Doppelspieltag beinhalten
Die BUNA-Handlungsempfehlungen
Nach der Mittagspause wurden die Handlungsempfehlungen des Projekts veröffentlich. Sie richten sich sowohl an Vereine als auch an Verbände und bieten konkrete Maßnahmen für unterschiedliche Entwicklungsstände. Gute Praxisbeispiele dienen als Inspiration, erleichtern Wissenstransfer und motivieren zur Umsetzung. Die Empfehlungen sind praxisnah, nutzerfreundlich – und ab sofort kostenfrei und barrierefrei online verfügbar:
>> Handlungsempfehlungen für nachhaltigen Sport
Planspiel und Podiumsdiskussion: Die Zukunft des nachhaltigen Breitensports im Fokus
Im interaktiven Planspiel versetzten sich die Teilnehmenden in die Rolle eines Vereinsvorstands und entwickelten nachhaltige Strategien für den eigenen fiktiven Verein.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Safa Semsary, Lukas Gunzelmann, Prof. Dr. Susanne Tittlbach sowie Bianca Quardokus (Deutscher Olympischer Sportbund) und Alice Berger (LAG 21 NRW) wurden zentrale Fragen aufgegriffen:
- Welchen Mehrwert liefern die BUNA-Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen?
- Wie können wir auf Grundlage der Handlungsempfehlungen nun in die Umsetzung kommen? Welchen Beitrag leisten Sie?
- Wie schaffen wir Kooperationen über die Mehrebenen des organisierten Sports für eine Nachhaltige Entwicklung?
Es wurde deutlich: Wenn es um Nachhaltigkeit geht, braucht es weniger Wettbewerb und mehr Zusammenarbeit - zwischen Vereinen, Verbänden und Sportarten. Als spannendes Beispiel wurden etwa Sharing-Center oder Job-Sharing (etwa ein*e Nachhaltigkeitsmanager*in für zwei Klubs) zwischen Vereinen besprochen. Betont wurde, dass es mehr runde Tische und Dialoge über alle Ebenen des Sports hinweg brauche, um Lösungen zu finden, die allen helfen.
Außerdem wurden Strategien, Kommunikation und Bildung als zentrale Hebel benannt. Diskutiert wurde auch, dass Fördergeber*innen Kooperation und Zusammenschlüsse mehr belohnen sollte, damit Vereine nicht um Fördermittel (insbesondere für Nachhaltigkeitsthemen) konkurrieren müssen. Wichtig war den Podiumsgästen, hervorzuheben, dass auch kleine Beiträge Großes bewirken können.
Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg
Den Abschluss bildete ein persönliches Plädoyer von Jan Helmich, Pararuderer und Olympiasieger. Er sprach über Nachhaltigkeit als Haltung und darüber, wie der Sport Identität stiften und Menschen verbinden kann. "Ein Verein ist ein Raum, der Menschen langfristig an etwas bindet, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen - nicht für eine Zweckmäßigkeit, sondern für ihre Identität." Er betonte, dass der Verein einer der wichtigsten gesellschaftlichen Räume ist, in denen sich Menschen noch begegnen, die sich sonst nicht treffen. Zudem wird hier erfahrbar, was Nachhaltigkeit für jede*n einzelne*n bedeute und bewirke.
Für ihn ist der Breitensport einer der größten Hebel für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung - und Nachhaltigkeit das eine Thema, dass die Grenzen zwischen Vereinen, Sportarten sowie Spitzen- und Breitensport verschwimmen lasse.
Weitere Infos
Die gesamte Forschungsarbeit wird in Kürze veröffentlicht. Die Handlungsempfehlungen für Vereine und Verbände finden sich hier.
Die Handlungsempfehlungen werden in zwei Webinaren (08.07. - 09-10 Uhr | 10.07. - 17-18 Uhr) im Detail vorgestellt - mit Fokus auf die Anwendung in Vereinen. Infos und Anmeldung hier.
Alle Infos zum Projekt BUNA hier.
BUNA wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland, Zuwendungsgeber: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Unterstützt wird das Projekt vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
